Männergesundheitsbericht 2013

Im Fokus: Psychische Gesundheit


Herausgeber:
Matthias Stiehler (Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit)
Lothar Weißbach (Stiftung Männergesundheit)


Verlag Hans Huber Bern 2013
280 Seiten / 23,8 x 17,2 x 1,8 cm
€ 29,95 (D)
ISBN 978-3456852690



>> Zur Geschichte des Männergesundheitsberichts in Deutschland



Statement von Dr. Matthias Stiehler auf der Pressekonferenz anlässlich der Herausgabe des „Männergesundheitsberichts 2013. Im Fokus: Psychische Gesundheit“ am 24. April 2013

"Wir haben es bei der Frage der psychischen Gesundheit von Männern nicht nur mit Gesundheits- oder auch medizinischen Themen zu tun. Es geht ebenso um die gesellschaftliche Stellung von Männern bzw. um die Sicht der Gesellschaft auf Männer. Ich möchte daher 3 Punkte ansprechen, die die gesellschaftliche Dimension des Themas betreffen.

1. Es fällt nicht nur den betroffenen Männern selbst schwer, sich als psychisch krank zu akzeptieren, auch das soziale Umfeld, also insbesondere Partnerinnen und Arbeitgeber, können dies oft nur schwer akzeptieren.
Wir haben es hier mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun: Männer werden selbst dann noch als handlungsmächtig angesehen, wenn sie in Not sind. Selbst die Geschlechterdebatte, also eine vermeintlich fortschrittliche Diskussion über Rollenbilder und das Verhältnis von Männern und Frauen, geht selbstverständlich davon aus, dass Männer ihr Leben beherrschen können und kein Opfer ihrer Situation sind. Das ist ja der Grund, warum eine um mehr als fünf Jahre geringere Lebenserwartung, eine dreifach höhere Suizidrate oder auch eine 4,4mal höhere ADHS-Diagnose bei Jungen (ca. 8 % gegenüber 1,8 %) kaum einmal geschlechtsspezifisch skandaliert werden.

2. Zu dieser gesellschaftlichen Haltung gegenüber Männern gehört auch, dass männliches Verhalten generell als gesundheitsschädigend beschrieben wird.
Abgesehen davon, dass unsere Gesellschaft von Leistungs- und Einsatzbereitschaft lebt und oftmals riskantes Verhalten fordert und das wichtige Fundamente unseres Gemeinwesens sind, können wir nicht davon ausgehen, dass Konkurrenz, Einsatz, Risiko grundsätzlich und ausschließlich gesundheitsschädigend sind. Es geht eben nicht darum, Männlichkeitsvorstellungen völlig auf den Kopf zu stellen, sondern Handlungsspielräume zu erweitern. Männer sollen keine Ich-bezogenen Schlaffis werden. Aber es geht darum, die zwangsläufigen Begrenzungen in das Selbstbild einzubeziehen. Ein Mann ist - und das sage ich ausdrücklich als jemand, der seit vielen Jahren nicht nur in der Forschung, sondern auch in der praktischen Männerarbeit tätig ist - dann stark, wenn er seine Schwächen, seine Krisen, seine Niederlagen zu akzeptieren vermag.

3. Es gibt den verbreiteten Mythos von der Nichterreichbarkeit von Männern für Prävention und Gesundheitsförderung.
Diesen Mythos verbreitet beispielsweise der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen in seinem Präventionsbericht von 2012. Wenn Männer gut gemeinte Angebote nicht annehmen, dann kommt man nicht auf die naheliegende Idee, dass vielleicht etwas an den Angeboten nicht in Ordnung ist. Nein, es sind die Männer, die sich nicht so verhalten, wie es von ihnen erwartet wird. Wir zeigen im Männergesundheitsbericht 2013 gesundheitsfördernde Projekte auf, die sehr wohl Männer zu erreichen vermögen. Sie müssen nur der Lebenswirklichkeit der Männer entsprechen. Nicht die Männer müssen den Angeboten schmecken, sondern die Angebote den Männern."





Inhalt:

Doris Bardehle: Psychische Gesundheit des Mannes - international und national

Martin Dinges: Wandel der Herausforderung an Männer und Männlichkeit in Deutschland seit 1930

Anne Maria Möller-Leimkühler: Psychische Gesundheit von Männern: Bedeutung, Ziele, Handlungsbedarf

Anne Maria Möller-Leimkühler: Komorbidität psychischer und somatischer Erkrankungen bei Männern - ein Problemaufriss

Gunter Neubauer, Reinhard Winter: Sorglos oder unversorgt? Zur psychischen Gesundheit von Jungen

Johannes Siegrist: Männer in der Arbeitswelt: Auswirkungen auf die Psychische Gesundheit

Alfons Holleder: Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit von Männern in Arbeitslosigkeit - ein Überblick

Matthias Stiehler, Uwe Tüffers, Kurt Seikowski: Männer in Beziehungen

Kurt Seikowski: Psychische Gesundheit des alternden Mannes

Sandra Beermann, Kirsten Gieseler, Doris Bardehle, Jens Kuhn, Wolfgang Reuter: Psychopharmakologische Verordnung für Versicherte der DKV

Sandra Beermann, Michael Hettich, Lothar Weißbach: Männergesundheitsangebote

Matthias Stiehler: Förderung psychischer Gesundheit: beispielhafte Projekte

Matthias Stiehler: Fazit: Psychische Gesundheit von Männern - eine Herausforderung für die Männer, die Medizin und die Gesellschaft





Anfragen zu Lesungen und Vorträgen - auch zu den anderen Büchern von Matthias Stiehler - richten Sie bitte an das Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft e.V.
(info@dieg.org / Tel. 0351 32334413)



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